Fahrenheit 451
Titel: Fahrenheit 451
Original-Titel: Fahrenheit 451
Autor: Ray Bradbury
Verlag: Heyne [16412]
Erscheinungs-Jahr (in Deutschland): 2000
(Überarbeitete Neuausgabe im Rahmen der Reihe “Meisterwerke der Science Fiction” von Heyne)
Kurzbeschreibung: In “Fahrenheit 451″ – der düsteren Zukunftsvision von Ray Bradbury – sind Bücher die Quelle allen Unglücks. Die Bevölkerung wird mit trivialen Informationen über das allgegenwärtige Fernsehen versorgt, fundiertes Wissen aus Büchern ist unerwünscht – sogar verboten. Die Welt ist zu einer entindividualisierten, denkfreien und gleichgültigen Massengesellschaft verkommen. Hier beginnt die Geschichte von Guy Montag, dessen Aufgabe als Feuerwehrmann nicht mehr die Bekämpfung von Feuer ist, sondern das Aufspüren und Verbrennen von Büchern. Doch Guy gelangt in einen Glaubenskonflikt. Er ist nicht mehr von der Richtigkeit seiner Arbeit überzeugt, beginnt zu hinterfragen und letztendlich sogar mal in einem Buch zu lesen. Mehr und mehr lehnt er sich gegen das totalitäre System auf und bringt sich selbst in große Gefahr. 451° Fahrenheit – oder 232° Celsius – die Temperatur, bei der Papier verbrennt.
Rezension: Der Klassiker von Ray Bradbury wird in einem Atemzug mit George Orwell’s “1984″ und Aldous R. Huxleys “Schöne neue Welt” genannt. An verschiedenen Schulen gilt das Buch als Pflichtlektüre, zeigt es doch auch ca. 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung unwahrscheinlich viele Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft. Die überarbeitete Neuausgabe im Rahmen der “Meisterwerke der Science-Fiction” vom Heyne Verlag wird von einem Vorwort des britischen SF-Autoren Brian W. Aldiss (”Der Milliarden-Jahre-Traum”) eingeleitet. Dort wird kurz auf die Geschichte des Buches, seit seiner Erstveröffentlichung in einem amerikanischen Magazin in den 50er Jahren, eingegangen; abgerundet durch ein paar Hintergrund-Infos über Ray Bradbury selbst.
Die Bedeutung von “Fahrenheit 451″ liegt in der fortbestehenden Bedrohung, von Bradbury bereits vor einem halben Jahrhundert wahrgenommen. Während das Fernsehen allmählich an seinen sinnlosen und vulgären Spielshows und Quizsendungen, an “Daily Soaps” und ebenso hohlem “Infotainment” erstickt, rückt der Tag des Feuerwehrmanns immer näher.
- Brian W. Aldiss
Der heimische Herd und der Salamander – Im ersten Drittel des Buches gerät das sonst so monotone Leben des Hauptprotagonisten Guy Montag ins Wanken, als er nach der Arbeit auf Clarisse – einem recht sonderbaren Mädchen aus der Nachbarschaft – trifft. Sie vertiefen sich in ein Gespräch, bei dem Clarisse eine Reihe ungewöhnlicher Fragen stellt. Besonders die Frage, ob Guy glücklich sei, bringt ihn ins Grübeln. Eine Schlüsselstelle – wird hier doch der Grundstein für die Wandlung von Guy Montag gelegt. Auch bei der Arbeit nagen Fragen und Zweifel an ihm:
“Hat damals die Feuerwehr nicht eher dem Feuer gewehrt, als selber Feuer zu legen?”
- Guy Montag
Bei einem Einsatz legt sich der Schalter im Kopf von Guy dann komplett um. Anstatt alle Bücher vollständig zu verbrennen, rettet er einige Wenige und versteckt sie bei sich zu Hause.
Das Sieb und der Sand – Bücher zu lesen – sie gar zu besitzen – ist strafbar. Das weiß Guy als Feuerwehrmann wohl am besten. Dennoch riskiert er es und erzählt seiner sonst sehr apathischen und vom allgegenwärtigen Fernsehen abhängigen Frau Mildred davon. Doch Mildred läßt sich nicht von der Begeisterung ihres Mannes anstecken. Zu sehr ist ihr Geist mit der “Fernsehfamilie” verwachsen. Guy beschließt Faber aufzusuchen – einen Mann, von dem er weiß, daß er früher einmal Professor für englische Literatur gewesen ist und der ihm jetzt eventuell weiterhelfen kann. Bei ihm bekommt er Antworten auf seine Fragen – aber bei weitem nicht auf alle.
Faber wird zu einem Mentor für Guy. Beide bleiben über eine Art Minifunkgerät in Kontakt, über das Faber Guy zumindest rhetorisch unterstützen kann. Wieder zu Hause trifft Guy auf seine Frau und ihre Freundinnen. Unterstützt durch Faber im Ohr versucht er sie alle wachzurütteln, sie loszureißen vom Fernsehen und ihnen die Realität vor Augen halten – ohne Erfolg. Guy wagt zu viel und macht sich verdächtig. Besonders sein Vorgesetzter – Hauptmann Beatty – schöpft Verdacht und kommt ihn letztenendes auch auf die Schliche.
Das helle Feuer – Letztendlich wird Guy durch seine eigene Frau angezeigt. Als der Einsatzwagen der Feuerwehr – inklusive Guy und Hauptmann Beatty – vor dem Haus der Montags hält, scheint alles verloren. Selbst Faber kann nicht mehr helfen. Doch anstatt den Sack zuzumachen und Guy endgültig zu überführen, beginnt Beatty ein provozierendes Wortduell mit ihm. Mit Zitaten, die Beatty nur aus verbotenen Büchern her kennen konnte, stachelt er Guy an. Soweit, bis dieser den Flammenwerfer nimmt und Beatty tötet. Erst nach der Tat beginnt Guy zu realisieren, daß das alles von Beatty so geplant und gewollt war. Aber er kann sich mit diesen Gedanken nicht weiter beschäftigen, denn die Polizei macht Jagd auf ihn. Auch die Medien sind dabei und verkaufen die Hetzjagd als ein riesen Spektakel. Irgendwie gelingt es Guy dennoch, aus der Stadt zu fliehen und seine Spuren zu verwischen. Noch rechtzeitig bevor ein weiterer atomarer Krieg die Stadt komplett auslöscht. Stundenlang irrt Guy in der Wildnis herum, bis er ein Lager mit alten ausgestoßenen Menschen erreicht. Allesamt intellektuelle Menschen, die früher einmal Professoren, Philosophen oder einfach Kreative waren, die in der Gesellschaft keine Daseins-Berechtigung mehr hatten und nun in einer Art Untergrund leben. Jeder von ihnen hatte sich ein oder mehrere Bücher so gut eingeprägt, daß er den Inhalt mühelos wiedergeben konnte, auch wenn das Buch in gedruckter Form schon längst nicht mehr existierte. Guy schließt sich diesen Leuten an…
Fazit: Erschreckend, wie nah Bradburys Vision der zukünftigen Gesellschaft bereits ist. Das Buch fesselt bis zum Ende!
Bewertung: 






