Heimat Mars
Titel: Heimat Mars
Original-Titel: Moving Mars
Autor: Greg Bear
Verlag: Heyne [06/5922]
Erscheinungs-Jahr (in Deutschland): 1999
Kurzbeschreibung: Das Jahr 2171: Der Mars ist dank Terraforming für die Menschheit inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden. Seit 53 Mars-Jahren leben die Kolonisten nun in organisierten Siedlungen - sogenannten Bindenden Gruppen - auf dem roten Planeten. Aber anders als die hochtechnisierte und von mächtigen industriellen Bündnissen beherrschte Erde ist der Mars noch in einer Entwicklungsphase. Genau in dieser politisch unruhigen Zeit beginnt die Geschichte von Casseia, einer Studentin, die - ohne es wirklich zu realisieren - in eine Auseinandersetzung zweier Welten gerät. Sie steckt inmitten eines Sogs von Ereignissen epischen Ausmaßes, bei denen es letztendlich nur um eines geht: das nackte Überleben ihres Heimatplaneten.
Rezension: Greg Bear’s knapp 750 Seiten starkes Buch ist in sieben Teile gegliedert, wobei insbesondere das erste Drittel des Buches sehr ausführlich ausgefallen ist. Detailliert und komplex schildert er die Vorgeschichte der Hauptprotagonisten und ihre Entwicklung. Dabei dienen ihm die Science-Fiction Elemente lediglich als Rahmen, denn primär geht es um Politik und Sozialkritik. Erst später verlagert sich der thematische Schwerpunkt mehr in Richtung Wissenschaft. Im speziellen geht es um Quantenphysik, das Bell Kontinuum sowie die Manipulierung desselbigen.
Das erste Drittel von “Heimat Mars” ist vor allem von persönlichen und emotionalen Problemen der Hauptprotagonistin geprägt. Zuerst schwärmt Casseia für den Anführer einer Studentenbewegung, welche sich gegen die Zentralregierung des Planeten auflehnt, später beginnt sie eine Beziehung mit Charles Franklin (der später noch eine entscheidende Rolle im Roman einnimmt), einem Physiker, der sie aber sehr schnell einengt. Auch beruflich kann sie sich nicht so recht entscheiden, entschließt sich aber letzten Endes doch in die Politik zu gehen.
Das zweite Drittel handelt vom langen Flug zur Erde sowie dem Aufenthalt dort. Casseia ist inzwischen zur Assistentin des Abgesandten des Mars aufgestiegen und beginnt langsam die komplexen Zusammenhänge zu verstehen. Die Erde drängt auf eine Vereinigung des Mars und auf eine zentrale Regierung. Man möchte den Mars unter Kontrolle haben und setzt alles daran, dieses Vorhaben auch durchzusetzen. Die Verhandlungen auf der Erde bleiben ergebnislos. Noch schlimmer: währendessen scheinen Wissenschaftler auf dem Mars (unter ihnen Charles Franklin) einen Durchbruch auf dem Gebiet der Quantenphysik gemacht zu haben. Etwas so Bahnbrechendes, das die Führungsleute der großen Konzerne und Verbindungen der Erde in panikartige Zustände versetzt.
Im letzten Drittel geht es dann Schlag-auf-Schlag. Ein Großteil des roten Planeten vereinigt sich zur Bundesrepublik Mars. Casseia - inzwischen verheiratet - bekleidet den Posten der Vizepräsidentin. Währendessen unterrichtet Charles sie von seiner Gruppe - den Olympiern - und deren Arbeit. Ihnen ist es tatsächlich gelungen, Einfluss auf das Bell-Kontinuum zu nehmen und es zu manipulieren. Damit steht dem Mars plötzlich unvorstellbare Macht und riesige Möglichkeiten offen, aber ebenso große Verantwortung für eine noch sehr junge und unerfahrene Nation. Auch auf der Erde realisiert man die Fortschritte und unternimmt nun drastischere Schritte. Es werden Attentate und Angriffe gegen die Regierung des Mars und deren Forschungsanstalten unternommen. Im Gegenzug versetzen die Olympier mithilfe sog. Tweaker den Mars-Mond Phobos in Richtung Erde und demonstrieren ihre Macht. Der Mars verliert seinen Wissenschaftsvorsprung, als es auch der Erde gelingt, ähnliche Manipulationen in der Quantenphysik zu bewerkstelligen. Die Erde sieht den Mars nur noch als Bedrohung an. Ganze Kolonien werden auf dem Mars dem Erdboden gleichgemacht. Casseia und Charles bleibt nur noch eine Option den Mars vor der Vernichtung zu bewahren: sie müssen den gesamten Planeten versetzen - und zwar Millionen von Lichtjahre weit in ein neues System.
Fazit: Wie bereits weiter oben schon angedeutet, werden besonders in den ersten beiden Dritteln viele Dinge detailliert beschrieben und ausgeschmückt. Es dauert eine ganze Weile bis die Story tatsächlich einmal in Schwung kommt. Unter anderem werden der Flug zur Erde sowie die Erlebnisse dort wirklich ausgiebig erzählt. Mitunter wurde an Einzelheiten geklammert, die nur wenig zu der eigentlichen Story beitragen. Andere hingegen werden komplett ausgeblendet. Beispielsweise bleiben die führenden Köpfe, die verantwortlich für den harten Kurs der Erde sind, weiter im Dunkeln.
Mit “Heimat Mars” prangert Greg Bear die Gefahren an, die in einer technisch-, politisch- und sozial hochentwickelten Welt geschehen könnten. Ein empfehlenswertes Buch für Leute, die sich mit sozialkritischen Texten in einem Science-Fiction Szenario auseinander setzen möchten. Das Buch wurde übrigens 1994 mit dem Nebula Award als bester Roman ausgezeichnet.
Bewertung: 



