Blade Runner

Blade RunnerTitel: Blade Runner
Alternativ-Titel: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
Original-Titel: Blade Runner (Do androids dream of electric sheep?)
Autor: Philip K. Dick
Verlag: Heyne [21728]
Erscheinungs-Jahr (in Deutschland): 2002* (Philip K. Dick Edition)
Zyklus: - (Einzeltitel)

Kurzbeschreibung: In einer nicht allzufernen Zukunft flieht eine Gruppe von Androiden aus den Weltraumkolonien illegal zurück zur Erde. In den riesigen vom Atomsmog verseuchten Großstadtkomplexen verstecken sie sich zwischen den noch verbliebenen Menschen vor den Prämienjägern - den sog. Blade Runnern. Einer dieser speziell ausgebildeten Androidenjäger ist Rick Deckard, der hier mit seiner bisher schwersten Aufgabe konfrontiert wird: diese Androiden gehören einer neuen Generation an - der Nexus 6er Reihe - und sind praktisch kaum noch von Menschen zu unterscheiden. Wer ist Mensch? Wer ist Android? Die Grenzen verwischen. Und so muss sich im Verlauf der zermürbenden Hetzjagd sogar Deckard selbst fragen, ob er Mensch oder Maschine ist.

Rezension:
“Träumen Androiden von elektrischen Schafen?” war der wohl bedeutenste Roman von Philip K. Dick und ein Meilenstein in der Science-Fiction Literatur. Bereits 1968 geschrieben, zeigte er ein sehr düsteres und ernüchterndes Bild der Zukunft. 1982 war dieses Buch Grundlage für den Film “Blade Runner” von Ridley Scott mit Harrison Ford in der Hauptrolle. Der Film besitzt heute ebenfalls Kultstatus, auch wenn er eher als Ergänzung zum Buch gesehen werden sollte, denn die Story geht in beiden Medien doch schon sehr auseinander (siehe dazu: Vergleich Film - Buch). Der Heyne Verlag hat 2002 im Zuge der “Großen Philip K. Dick Edition” die wichtigsten Werke des Autors noch einmal in überarbeiteter Form herausgebracht.


In einer trostlosen, ökologisch ruinierten Welt, zernarbt von den letzten Weltkriegen, fristen die noch verbliebenen Menschen ein depressives Leben. Die, die nicht zu den Kolonien auf anderen Planeten auswanderen wollten oder konnten leben zwischen riesigen Hochhausschluchten, radioaktivem Smok und Staub. Ihr Alltag wird von Stimmungsorgeln, Einswerdungsboxen und dem 24-Stunden-Fernsehprogramm geprägt. Stimmungsorgeln, das sind kleine Apparate mit denen die tägliche Stimmungslage manipuliert wird, mit dem Ziel, das Leben erträglicher zu gestalten. Die Einwerdungsboxen sind eine Art Kirchenersatz, bei dem die Gläubigen des Mercerismus (die wohl einzig noch verbliebene Religion) sich kollektiv verbinden, um den Aufstieg und den Fall des Wilbur Mercer (eine Art Messias) zu erfahren. Auch Tiere - echte, natürliche Tiere - spielen eine große Rolle in dieser Geschichte. Da praktisch fast alle Tiere ausgestorben sind, gelten echte Tiere als das wohl wichtigste Statussymbol in dieser Zeit.

Hauptcharakter in diesem Buch ist Rick Deckard, Teil einer Spezialeinheit der Polizei, die illegal auf der Erde lebende Androiden ‘aus den Verkehr zieht’. Sein Leben ist ein Spiegelbild seiner Umwelt: seine Frau verbringt mehr Zeit an der Stimmungsorgel als mit ihm, er ist unzufrieden mit seinem Job und ein echtes Tier besitzt er auch nicht - nur ein elektronisches Schaf. Als einer seiner Kollegen bei einem Einsatz schwer verwundet wird, soll Deckard dessen Auftrag zu Ende führen. Dabei geht es um eine Gruppe von sich illegal auf der Erde aufhaltenden Androiden, die einer neue Generation - den Nexus-6ern - angehören und die mit den herkömmlichen Tests zum Aufspüren von ‘Andys’ kaum zu fassen sind. Diese neuen künstlichen Lebensformen des Rosen Konzerns sind mit vorprogrammierten Erinnerungen versehen und wissen teilweise selbst nicht, daß sie Androiden sind. Sie besitzen die nötige Intelligenz, um unbemerkt unter den Menschen agieren zu können. Und genau hier soll Deckard ansetzen: Seine Suche beginnt beim Rosen Konzern, wo er auf Rachel Rosen trifft - wie sich später herausstellt ist sie ein Prototyp aus der Nexus-6 Reihe und verfolgt in erste Linie die Interessen des Konzerns.

Deckard gelingt es, Einen nach dem Anderen der Androiden aufzuspüren und auszuschalten. Dabei ist er ständig im Zweifel, ob er das Richtige tut. Es plagen ihn philosophische Fragen, bis hin zu der Frage, ob er selbst Maschine oder Mensch ist. Im Showdown trifft er auf die letzten drei ‘Andys’, dabei der Anführer der Gruppe: Roy Batty.

Parallel zu der Hauptgeschichte wird die Geschichte von John R. Isodore erzählt. Einem ‘Spatzenhirn’ - ein degenerierter Mensch, der die gesundheitlichen Tests, um von der Erde auswandern zu können, nicht bestanden hat und dazu verdammt ist bis zu seinem Lebensende hier zu verweilen. Er bewohnt eines der vielen leerstehenden Häuser in den verlassenen Vororten. Erst als einer der geflohenen Androiden - Pris - bei ihm auftaucht und einzieht bekommt sein graues Leben einen Schub. Selbst als die beiden anderen noch verbliebenen Androiden, Roy und Irmgard Betty, hinzukommen und er schließlich realisiert, daß es künstliche Menschen sind, hält er zu ihnen - will sie sogar beschützen.

Blade RunnerBlade Runner von Philip K. Dick

überarbeitete Neuauflage des Klassikers im Rahmen der großen Philip K. Dick Edition von Heyne

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Vergleich: Buch - Film

» Der Begriff ‘Blade Runner’ wurde erst durch den Film eingeführt. Im Buch werden diese speziellen Polizisten nur als ‘Prämienjäger’ bezeichnet. Im Rahmen der überarbeiteten Neuauflage wurde der Titel zwar von ‘Träumen Androiden von elektrischen Schafen?’ zu ‘Blade Runner’ umbenannt, allerdings im Buch selbst wird dieser Begriff nicht benutzt.

» Im Film werden die Androiden ‘Replikanten’ genannt; abfällig ist auch von ‘Hautjobs’ die Rede.

» Der Rosen Konzern ist im Film die Tyrell Corp.; an der Spitze steht Konzernchef Eldon Rosen bzw. Eldon Tyrell.

» Der komplette Handlungsstrang in Bezug auf Wilbur Mercer, Mercerismus und die Einswerdungsboxen taucht im Film nicht auf.

» Das Fernsehen bzw. die allgegenwärtige Reklame kommt im Film sehr gut rüber. Allerdings gibt es keinen Hinweis auf die Fernsehfigur ‘Buster Freundlich’ und durch den Wegfall des Mercer-Handlungsstrang natürlich auch keinen Hinweis auf den Mercer-Schwindel der von ‘Buster Freundlich’ (ebenfalls ein Android) aufgedeckt wird.

» Auch die Stimmungsorgeln werden nicht gezeigt oder erwähnt.

» Die Handlung um die von Androiden geleitete Polizeistation wurde weggelassen. Einer der Gründe warum im Film die Gruppe der entflohenden Androiden kleiner ist als im Buch. Zudem hätte vor allem der Erzählzweig um den Androiden Phil Resch, der als Prämienjäger arbeitet und der langsam erkennt, daß er selbst ein künstlicher Mensch ist, den Film immens verlängert.

» Deckards Frau aus dem Buch wird im Film nicht erwähnt. Im Originalfilm gibt es lediglich einen kurzen Kommentar in Bezug auf seine Ex-Frau, im Directors Cut fehlt auch dieser.

» Tiere, sofern sie echt sind, gelten im Buch als wichtiges Statussymbol. Im Film wird es nur angedeutet. Bestes Beispiel dafür ist die Szene im Konzern mit der Eule. Im Film wird sofort erwähnt, daß sie künstlich ist und damit ist der Handlungsstrang Tiere praktisch abgeschlossen. Wohingegen im Buch die Eule erst als echt beschrieben wird (um Deckard damit zu locken), es sich aber später doch als künstliche Eule herausstellt. Auch Deckards Bestreben ein echtes Tier zu besitzen wurde im Film nicht eingebaut. Das letzte Kapitel aus dem Buch, wo Deckard eine Kröte findet, die sich aber ebenfalls als künstlich erweist, fehlt somit verständlicherweise auch im Film.

» Rachels Rolle ist im Film eine komplett andere: sie ist weder ein baugleiches Modell von Pris, noch versucht sie Konzerninteressen zu verfolgen. Tatsächlich wird ihr erst im Laufe des Films bewusst, daß sie künstlich ist. Da im Film offen gehalten wird, ob nicht auch Deckard eine Maschine ist, fliehen beide am Ende des Films, nachdem alle anderen Replikanten ausgeschaltet wurden. Im Buch versucht Rachel Deckard zu erreichen, die Jagd nach den verbliebenen Androiden einzustellen. Später tötet sie noch Deckards neues echtes Tier - eine Ziege - die er sich von seinem Prämiengeld gekauft hatte.

» Die sechs Replikanten im Film: Beim Briefing in Bryants Büro heißt es: drei weibliche und drei männliche Replikanten sind geflohen. Einer wurde beim Einbruch in die Tyrell Corp. getötet. Die vier verbliebenden Androiden, die im Verlauf des Films ‘aus den Verkehr gezogen werden’ sind Leon, Zhora (Schlangentänzerin), Pris und Roy Betty. Es fehlt der sechste Replikant. Man geht davon aus, daß damit Mary gemeint ist. Eine weibliche Androidin, die wohl an die Rolle von Irmgard Betty aus dem Buch angelehnt war, allerdings vom Regisseur Ridley Scott als “zu verwirrend” wieder aus dem Drehbuch entfernt wurde.

» Aus dem geistig zurückgebliebenen J.R. Isodore wurde im Film der intelligente aber physisch kranke J.F. Sebastian, der auch Verbindungen zu Eldon Tyrell hat. Dadurch gelang es dem Replikanten Roy Batty erst, an den Konzernchef heranzukommem (-> die Maschine trifft auf ihren Schöpfer). Im Buch gibt es keine Intensionen von Seiten der Androiden ihren Hersteller zu infiltrieren oder gar den Konzernchef zu töten.

» Der Film spielt im Jahr 2019 in Los Angeles, das Buch deutlich früher: 1992, in San Francisco.

» Im Buch gibt es Hinweise auf die noch bestehende Sowjetunion. Es ist anzunehmen, daß damit auch der Gegner in den besagten Weltkriegen gemeint ist. Die Auswirkungen der Weltkriege sind der Hauptgrund für die ökonomisch katastrophale Umwelt. Im Film selbst wird die lebensfeindliche Atmospähre, die düsteren Gebäudekomplexe und der deprimierende Dauerregen sehr gut in Szene gesetzt - auf die Ursachen davon wird aber nicht eingegangen.

Fortsetzungen / Ableger
Der Autor K. W. Jeter, ein Freund von Philip K. Dick, schrieb drei Fortsetzungen, die nach seinen Angaben die Geschichte des Buches wie auch des Films weitererzählen sollen - was aber auf Grund der Unterschiede nur schwer machbar war:

“Blade Runner 2: The Edge of Human” (1995)
“Blade Runner 3: Replicant Night” (1996)
“Blade Runner 4: Eye and Talon” (2000)

In Deutschland erschienen zwei der drei Bücher zusammengefasst als “Blade Runner: die Rückkehr”.

Fazit: Das beste Werk von Philip K. Dick und ein Meilenstein in der Science-Fiction Literatur! Dark Future at it’s best!

Bewertung: 5 Punkte !5 Punkte !5 Punkte !5 Punkte !5 Punkte !

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Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 7. März 2007 um 13:49 Uhr veröffentlicht und wurde unter Einzeltitel, Klassiker abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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